Erfa-Stammtisch, 26. März 2026, zum Thema «Raum und Verkehrsplanung für die nachhaltige Ortsentwicklung der Gemeinden»

Wie lässt sich das Bevölkerungswachstum in der Schweiz auffangen, ohne wertvolle Grünflächen zu opfern? Und wie sieht die Logistik der Zukunft im Quartier aus? Am letzten Erfa-Stammtisch von Myni Gmeind diskutierten Expertinnen und Experten über die Schlüsselrolle der Digitalisierung für eine nachhaltige Ortsplanung.

Daten statt Bauchgefühl: Wo Innenverdichtung Sinn macht

Lorenz Bosshardt, Projektleiter bei Sotomo, räumte mit einem Vorurteil auf, Innenentwicklung bedeutet nicht automatisch, dass alles zubetoniert wird. Er präsentierte die Sotomo-Studie zum qualitativ hochwertigen Städtebau und erläuterte, wie neu entwickelte Indikatoren dazu beitragen, räumliche Situationen systematisch zu beurteilen. Anhand einer neuen Potenzialanalyse zeigte er auf, wie Gemeinden Quartiere identifizieren können, die aufgrund ihrer hervorragenden ÖV-Erschliessung und Nahversorgung für eine höhere Dichte besonders geeignet sind. Das Ziel ist ein optimaler Mix aus Nutzung und Lebensqualität, orientiert an erfolgreichen Schweizer Vorbildern.

Planung zum Anfassen: Die dritte Dimension

Dass abstrakte Zonenpläne in der Bevölkerung oft zu Widerstand führen, ist bekannt. Reto von Ballmoos von Luucy AG präsentierte anhand des Use Cases der digitalen BZO-Revision in Hergiswil eine Lösung mit interaktiven Szenarien. Gemeinden können Bebauungsvarianten, Schattenwurf und Sichtlinien direkt im digitalen Zwilling prüfen. An Projekten wie der Schulraumplanung in Zug wird deutlich, wie eine transparente Kommunikation dazu beiträgt, dass Bürgerinnen und Bürger Planungen besser verstehen und akzeptieren, wenn sie diese räumlich erleben können.

Die letzte Meile neu gedacht: Smarte Paketboxen

Ein oft unterschätzter Faktor in der Verkehrsplanung ist der Lieferverkehr. Thomas Wälchli, Cluster Lead City Logistik bei der Post, stellte die Vision der smarten Paketbox vor. Offene Standards für alle Zulieferer sowie dynamisch vergebene Fächer für sämtliche Paketdienstleister sollen überquellende Milchkasten künftig ersetzen.
Durch zentrale Arealboxen können Lieferstopps gebündelt und der Verkehr in Wohnquartieren reduziert werden. Ein neuer Standard soll bis 2027 die rechtliche Gleichstellung mit dem Briefkasten anstreben.

Fazit für Gemeinden

Die Digitalisierung bietet heute Werkzeuge, um die Siedlungsentwicklung nach innen nicht nur effizienter, sondern auch qualitativ hochwertiger und bürgernah zu gestalten.

Ein herzliches Dankeschön an die Referierenden für die spannenden Inputs. Die Moderation übernahm Thomas Egger, Direktor Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB).
 
Die Präsentation steht Ihnen zum Download zur Verfügung: