Eine kurze Standortanalyse: Wer erkennt heute einen Deepfake? Und was ist überhaupt noch echt?
Das Foto zeigt zwar etwas Saas-Fee, wirkt märchenhaft, wurde jedoch mit KI stark verändert. Es entstand mit ChatGPT aus zwei Bildern und ist damit ein Deepfake.
Aber im Ernst: Gemeinden in der ganzen Schweiz setzen sich intensiv mit Datenschutz, künstlicher Intelligenz und digitaler Transformation auseinander. Die Fragen werden konkreter, der Handlungsdruck steigt. Gleichzeitig fehlen oft Zeit, Ressourcen und Orientierung.
In den letzten Tagen durften wir erneut verschiedene Gemeinden zum Thema künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung begleiten. Wir waren unter anderem in Wimmis, Adligenswil, Saas-Fee, Sigriswil, Neuenegg, Oberhofen oder Sumiswald. In den kommenden Wochen und Monaten folgen weitere Gemeinden wie Lauterbrunnen, Urnäsch, Seedorf und Langrickenbach, um nur einige zu nennen.
Dabei zeigt sich immer wieder dasselbe Bild: Das Interesse ist gross, die KI-Unsicherheit teilweise ebenfalls. Viele Verwaltungsmitarbeitende, Führungspersonen und politische Entscheidungstragende wollen verstehen, welche Chancen KI bietet, wo Risiken entstehen und wie sie KI verantwortungsvoll einsetzen.
Aus den bisherigen KI-Weiterbildungen haben wir einmal 140 Rückmeldungen ausgewertet, diese aus mehreren Schweizer Gemeinden. Es lassen sich klare Erkenntnisse ableiten. Das Interesse ist hoch und die Offenheit nimmt deutlich zu.
Zentrale Erkenntnisse aus den Rückmeldungen:
- KI gilt nicht mehr als Zukunftsthema, sondern als konkretes Arbeitsinstrument für Gemeinden.
- Viele Teilnehmende möchten KI im Arbeitsalltag aktiver einsetzen und selbstständig weiter experimentieren.
- Der Bedarf an Orientierung, Datenschutzverständnis und einem verantwortungsvollen Einsatz ist hoch.
- Gemeinden wollen verstehen, wo KI konkret entlastet, ohne die menschliche Verantwortung zu ersetzen.
- Mitarbeitende wünschen sich vor allem praktische Anwendungen statt theoretischer Diskussionen.
- Im Zentrum stehen konkrete Fragen aus dem Verwaltungsalltag, nicht technische Spielereien.
- Besonders gefragt sind Anwendungen zur Texterstellung, Protokollierung, Recherche (RAG), Automatisierung wiederkehrender Arbeiten und zur Unterstützung im Kundenservice. Der Wunsch nach weiteren Vertiefungen, Praxisbeispielen und konkreten Umsetzungsschritten wurde mehrfach genannt.
Viele Mitarbeitende hatten vor den Kursen kaum Berührungspunkte mit KI. Das zeigt, dass niederschwellige und praxisorientierte Lernformate funktionieren, auch für Personen ohne technische Vorkenntnisse.
Die Weiterbildungen machen zudem deutlich: Der Mensch bleibt zentral. KI wird als Unterstützung verstanden, nicht als Ersatz für Verwaltungsmitarbeitende.
Auch der Bedarf an Austausch zwischen Gemeinden wächst. Viele Teilnehmende wünschen sich zusätzliche Praxisbeispiele und gemeinsame Erfahrungsräume.
Zum Datenschutz: Öffentliche KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Claude bieten grosses Potenzial, sind jedoch datenschutzrechtlich anspruchsvoll. Es entsteht eine Schatten-KI. Mitarbeitende nutzen Tools ohne offizielle Freigabe, klare Governance oder organisatorische Kontrolle.
Gemeinden, die ihre Mitarbeitenden schulen, wirken dem entgegen. Sie erlassen Merkblätter und Weisungen, definieren Regeln, benennen Rollen und legen Prozesse fest. Eine KI- und Daten-Checkliste mit Zweck, Rechtsgrundlage und Datenkategorie schafft Klarheit und stärkt den Datenschutz.
Schulungen, Sensibilisierung und eine offene Kultur nach dem Prinzip «KI hilft, Mensch prüft» sind zentral.
Ein grosses Dankeschön an alle Gemeinden, die sich offen mit diesen Themen auseinandersetzen und den Wandel aktiv mitgestalten.